100 Jahre KSV 1907 Wiesental

Kurzfassung der Chronik 1907 – 1985 von Horst Oechsler

 
Wie fast alle Vereinsgeschichten, so stellt auch die des KSV 1907 eine wechselvolle dar. Die Annalen dokumentieren eine schwere Anfangszeit, denn Widerstände und Vorurteile gegen den Kraftsport mussten überwunden werden.
 
1Die stolze Erfolgsbilanz begann trotz allem bereits im Gründungsjahr mit 1. Preisen bei den „badisch-pfälzischen Meisterschaften" im Ringen und Gewichtheben. Das unermüdliche Wirken von Georg und Richard Mayl führte in den folgenden Jahren zu einer ersten Blütezeit, wobei die „Rosenhalle" zum Vereinsmittel punkt avancierte. Die Ringerstaffel erkämpfte sich in der Saison 1932/33 die Gaumeisterschaft in der A-Klasse und den Aufstieg in die Bezirksliga. Als 1939 die Meisterschaft in der Gauliga gefeiert werden konnte und gleichzeitig die Jugend-Mannschaft den Titel des „Badischen Gebietsmeisters" erkämpfte, fanden in Kraftsportkreisen die Worte „Kraftsporthoch burg Wiesental" ihre Prägung. Was Edmund Maier zuvor knapp verpasste, schaffte 1940 Siegmund Schweikert, als er bei den Aktiven „Deutscher Meister" im klassischen
Stil wurde. Den Titel holte er sich 1940 auch im freien Stil bei der Jugend, wo der KSV mit Alois Mühlich und Ewald Heilig zwei weitere Deutsche Meister stellte. Mühlich und Schweikert wurden daraufhin in die Nationalmannschaft berufen, wie auch Heilig im Jahre 1941, wo Schweikert seinen Titel erfolgreich verteidigte.

2Mit dem Neubeginn der Vereinsarbeit nach dem II. Weltkrieg wurde Erich Ehmann 1946 1. Süddeutscher Jugendmeister und ein Jahr später holte sich die Jugendstaffel die Badische Meisterschaft. 
31948 war Wiesental Austragungsort der Süddeutschen Jugend-Meisterschaften, wo Erich Ehmann, wie auch 1949 und 1950, den Meistertitel errang. Die Erfolgsbilanz erhöhten 1948 außerdem Edwin Grund als 1. Deutscher Jugendmeister, Reinhard Groß und Alfred Simon als Badische Meister, Edmund Maier als Süddeutscher Meister der Altersklasse und Waldi Hasselbach als Deutscher Meister im Gewichtheben. Ein weiterer Höhepunkt waren 1949 die Süd deutschen Freistilmeistermeisterschaften in Wiesental. Siegmund Schweikert und Leo Wittmer holten sich den Titel, Adolf Mayl und Ernst Maier erkämpften sich die Vizemeisterschaft. 1950 holte sich Erich Ehmann den Titel bei den Deutschen Jugend meisterschaften im klassischen Stil, was Theo Maier 1951 im freien Stil gelang.

Als 1951 Alois Klink beim KSV die Trainertätigkeit aufnahm, wurde die Erfolgsserie nahtlos fortgesetzt. Die Jugendstaffel wurde 1954 Badischer Meister und Josef Knebel Deutscher Jugendmeister im klassischen Stil.
Er wiederholte diesen Erfolg 1955 und 1956 bei den Junioren. Reinfried Roth wurde 1. Sieger bei den Bundesjugendmeisterschaften und 3. Sieger bei den Deutschen Junioren-meisterschaften. Jugend- und Schülermannschaft wurden gesamtbadischer Meister.
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Im Jahre 1957 bescherte die KSV–Staffel mit einem Sieg über AV Freiburg-St. Georgen dem
Verein mit Michael Mahl an der Spitze, zum 50-jährigen Jubiläum die gesamtbadische Meisterschaft und wiederholte diesen Erfolg 1958,1960 und 1961, wobei die Staffel am 26.3.1961 mit einem Sieg über Heusweiler/Saar 3. Deutscher Mannschaftsmeister vor Heros Dortmund wurde. 1962 wurde Josef Knebel Süddeutscher Meister und Klaus Schuppler Vizemeister.
5Auf Initiative von KSV-Geschäftsführer Horst Oechsler wurde 1963 das erste „Gebrüder-Mayl- Gedächtnisturnier" für die Ringerjugend des südwestdeutschen Raums ausgetragen. Bald gewann dieses Turnier nationalen Charakter und als 1976 die USBoys 5 Klassen-Siege erzielten, hatte die beliebte Veranstaltung auch internationalen Charakter erlangt.
Als im März 1964 Werner Vogel sein Amt als KSV Vorsitzender antrat, sorgte er mit dem Zugang des Olympiazweiten von Tokio, Klaus Rost, für einen spektakulären Einstand und ohne Niederlage holte sich der KSV 1965 zum 5. Male die Badische Meisterschaft. Unter Trainer Hans Helminger wurde die Jugendmannschaft im gleichen Jahr 1. nordbadischer
und 4. süddeutscher Meister. Ab diesem Zeitpunkt war der Neuaufbau der Mannschaft angesagt. Herausragende Einzelerfolge gab es 1967 durch Heini Anselment als 3. Deutscher Jugendmeister und 1969 durch Josef Hambsch als 1. Süddeutscher Jugendmeister, Hans Kerner als 2. Deutscher Jugendmeister und Klaus Vogel als 2. Süddeutscher Jugendmeister.

In Anwesenheit prominenter Gäste aus der politischen und sportlichen Szene eröffnete der KSV im März 1970 die erste Sauna im alten Landkreis
Bruchsal. Initiator für den Bau des vielbeachteten „Horts der Erholung und Ausspannung" war der KSV Vorsitzende Werner Vogel.
1974 war der KSV 1907 Ausrichter der mittelbadischen Einzelmeisterschaften, wobei die Hälfte aller Titel an die Aktiven des KSV gingen. Armin Stindl wurde Deutscher Jugendmeister im Freistil und Richard Klink 2. Sieger bei den Deutschen Ringermeisterschaften der Polizei. 1975 trat Emmy Roth als Geschäftsführerin in die Fußstapfen von Horst Oechsler, der nach zwölfjähriger Tätigkeit zum Ehrengeschäftsführer ernannt wurde. Das Amt des Pressereferenten übernahm gleichzeitig Ernst Woll. Mit Heini Anselment als Trainer, wurde die 1. Mannschaft 1976 – ohne Niederlage – Meister der Regionalliga Südwest. 1977 kamen in Wiesental die Deutschen Ringer-Meisterschaften im klassischen Stil zur Austragung. Im selben Jahr wurde Edi Stindl 1.Deutscher Jugendmeister und sein Bruder Armin Stindl 1.Deutscher Juniorenmeister.
1978 kämpfte eine Auswahl von Ringern der Nachbarvereine KSV Wiesental und KSV Kirrlach gegen die bulgarische Staffel von Akademik Sofia. Eckhard Knodel wurde 3. Deutscher Meister im klassischen Stil.

6Spektakuläre Neuzugänge gab es 1979 mit Jugendweltmeister Freddy Scherer und seinem Bruder Bernd Scherer als Deutscher Jugendmeister. Freddy Scherer wurde 1. Deutscher Meister bei den Junioren und Senioren, sowie 2. Junioren-Weltmeister. Bernd Scherer holte sich die Deutsche Meisterschaft und die Vize-Weltmeisterschaft bei der Jugend. Die deutschen Junioren-Ringer kämpften in der Wagbachhalle um die Meister-Titel. 1980 übernahm Hans Helminger das Trainer-Amt beim KSV. Bernhard Rothardt erkämpfte sich bei den Deutschen Meisterschaften den 3. Platz. Freddy Scherer holte sich den Titel bei den Senioren und den Junioren. Er wurde außerdem 4. Europameister, „EG-Turniersieger" in Dänemark und Mitglied der Olympiamannschaft. Bernd Scherer wurde 2. Deutscher Meister, Deutscher Juniorenmeister und gewann die Silbermedaille beim „Großen Preis von Deutschland". Georg Schwabenland wurde 1. Deutscher Schülermeister und die KSV-Staffel Meister in der 2. Bundesliga Südwest.
 
Die Erfolgsserie wurde auch 1981 fortgesetzt. Als Neuling in der 1. Bundesliga-Süd erreichte die 1. Mannschaft auf Anhieb den 3. Platz und die 2. Mannschaft stieg als Meister der Landesliga in die Oberliga auf. Georg Schwabenland und Udo Ruggaber wurden 1. Deutsche B-Jugend-Meister, Bernd Scherer 1. Deutscher Juniorenmeister und Eckhard Knodel sowohl im klassischen als auch im freien Stil Deutscher Vizemeister. Freddy Scherer als Deutscher Meister und Bernd Scherer als Deutscher Vizemeister waren 1982 auch mit ihren Erfolgen in der Staffel maßgeblich am Erreichen der deutschen Endrunde beteiligt.

Mit Hermann Breunig als Vorsitzendem wurde 1982 mit einer Reihe von sportlichen Veranstaltungen und einem stilvollen Festbankett das 75-jährige Vereinsjubiläum gefeiert. Werner Vogel wurde dabei zum Ehrenvorsitzenden des KSV 1907 ernannt. Walter Gehring (griechisch-römisch) und Günter Hartlieb (Freistil) übernahmen 1983 die Trainer-Rollen. Eckhard Knodel wurde Deutscher Meister im freien Stil, was Georg Schwabenland in der Jugendklasse auch gelang. Mit dem Titel des Deutschen Jugendmeisters im klassischen Stil zündete Udo Ruggaber ein weiteres Glanzlicht. Die Deutschen Juniorenmeister Leonhard Sawadsky und Norbert Hilzendegen sowie Ringerass Willibald Liebgott, als mehrfacher Deutscher Meister und Militärweltmeister, verstärkten die KSV-Staffel, die erneut die Endrunde um die Deutsche Meisterschaft erreichte. Bernd Scherer wurde 1984 Deutscher Seniorenmeister, 4. Europameister sowie Sieger im EG-Turnier. Freddy Scherer und Willibald Liebgott standen als deutsche Vizemeister auf dem Treppchen und der 16-jährige Georg Schwabenland wurde zum 4. Male Deutscher Jugendmeister. Der bislang höchste sportliche Erfolg eines KSV-Eigengewächses bleibt immer noch Georg Schwabenland vorbehalten. Er ging 1984 als Vize-Weltmeister der Jugend in die ruhmreichen Annalen des KSV 1907 ein. Udo Ruggaber holte sich die Deutsche Vizemeisterschaft bei der Jugend, die 1. Mannschaft qualifizierte sich erneut für die Endrunde, die 2. Mannschaft wurde Meister der Oberliga und die 3. Mannschaft Vizemeister der Bezirksliga.die 3. Mannschaft Vizemeister der Bezirksliga.

7Das Tüpfelchen auf das „I" setzte der KSV dann 1985. Nach Siegen über KSV Witten und ASV Urloffen war das Finale um die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft erreicht. Über 3000 Zuschauer feuerten am 12.1.1985 in der Wagbachhalle ihre Staffel beim ersten Finalkampf gegen den KSV Aalen frenetisch an und am Ende hieß es 19,5:17 für den krassen Außenseiter. Als die „Wagbach-Staffel" beim Rückkampf am 19. Januar in der Hans-Martin-Schleyer-Halle in Stuttgart vor fast 7000 Zuschauern dem großen Favoriten mit unbändigem Kampfgeist ein kaum für möglich gehaltenes 19:19 abrang, war die Sensation perfekt. 8Der KSV 1907 Wiesental hatte sich den Titel des Deutschen Mannschaftsmeisters 1984/85 in einem an Spannung kaum zu überbietenden Finale erkämpft. Der „Sportbericht" schrieb: 
„Punkt 20,43 Uhr brach in der Schleyer-Halle die Hölle los, denn im Nu machten die Wiesentaler Anhänger diese zum Tollhaus." Freudentänze der KSV-Akteure auf der Matte, Standing Ovation und Freudentaumel der Wiesentaler Anhänger schufen ein unvergessliches Bild. Als der mit 700 singenden und feiernden Schlachtenbummlern besetzte Sonderzug gegen Mitternacht im Bahnhof Waghäusel einlief, hatte auch die Bundesbahn dem neuen Meister Reverenz erwiesen. Auf den Zugschildern stand zu lesen: "Sonderzug des Deutschen Meisters 1984/85 KSV Wiesental, Stuttgart - Waghäusel". Mit einem Feuer werk am Bahnhof wurde der Triumpfzug zur Wagbachhalle eingeleitet und dort wurde die Nacht dann zum Tage. Am 27. Januar 1985 lud Bürgermeister Robert Straub zum ffiziellen Empfang des Deutschen Ringer - Mannschaftsmeisters in die Wagbachhalle ein, wo der Präsident des Ringerbundes, Hermann Schwindling, auch die Siegerurkunden an die KSV Ringer überreichte. In seiner Laudatio vor 1000 Besuchern bezeichnete Bürgermeister Straub den Triumpf als Meilenstein in der Geschichte des Vereins und der Stadt. Die Stadt Waghäusel sei stolz auf ihren KSV.


Zum Abschluss des 1. Teils der Chronik muss auch dokumentiert werden, dass die Fülle an Mannschaftserfolgen natürlich nicht allein auf das Konto der genannten Meisterringer ging. Ausschlag gebend war nämlich auch, dass der KSV immer wieder über zahlreiche exzellente Ringer verfügte, denen die Mannschaft mehr bedeutete als das Turnier ringen.


 
Der Verein war auf seinem sportlichen Zenit angekommen und die entstandene Euphorie deutete darauf hin, dass mittelfristig bei der Vergabe von Titeln kaum ein Weg an den KSV-Athleten vorbeiführen wird. Dies unterstrichen dann 1986 vor allen Dingen Timo Roth als Deutscher Jugendmeister, Georg Schwabenland als Titelträger bei den Junioren und Armin Bopp, der Meister bei den Schülern wurde. Die Vizemeisterschaft errangen sich Bernd Scherer und Freddy Scherer bei den Senioren, Udo Ruggaber bei den Junioren und Erwin Ehmann bei den Jugendlichen. Als Dritte durften sich in diesem Erfolgsjahr Roger Gössner und Peter Stark im Seniorenbereich, sowie Andreas Rothardt bei der Jugend – DM feiern lassen. Die zu diesem Zeitpunkt hervorragende Jugendarbeit wurde zusätzlich mit dem Gewinn des Mannschaftstitels bei der Deutschen Meisterschaft belohnt.
Auch die Bundesligastaffel machte erneut auf sich aufmerksam. Als Meister der Staffel Süd zog man in die Endrunde ein und schloss den Pool als Zweiter ab. Das Finale wurde zwar knapp verpasst, aber auch der erreichte dritte Platz stellte die Fans zufrieden. Diese überwältigende sportliche Dominanz zog sich wie ein roter Faden durch die folgenden 80-er Jahre und bundesweit sprach man in Sportlerkreisen fast ehrfürchtig von der „Ringerhochburg Wiesental“. Während 1987 die Bundesligastaffel wiederum souverän Südmeister wurde und ihren dritten Platz vom Vorjahr in der Endabrechnung verteidigte, standen die deutschen Einzelmeisterschaften erneut ganz im Zeichen der Mannen vom Wagbach.
Georg Schwabenland, Bernd Scherer, Udo Ruggaber und Roger Gössner dominierten bei den Senioren. Timo Roth und Andreas Rothardt, die inzwischen in die Juniorenklasse aufgerückt waren, holten sich dort ebenso den Meistertitel, wie auch Georg Schwaben - land. Dieser brachte damit das Kunststück fertig, sich im gleichen Jahr gleich zwei Mal als Titelträger küren zu lassen.
Das absolute sportliche Glanzlicht zündete allerdings Roger Gössner, der von den Weltmeisterschaften der Senioren mit der Silbermedaille nach Hause kam.

Mit also vier deutschen Meistern und einem Vizeweltmeister in den Reihen, griff die Staffel 1988 nochmals nach den Sternen, sprich nach dem deutschen Mannschaftstitel. Die Südmeisterschaft hatte man quasi schon abonniert und räumte auch auf dem Weg zum Finale alle Gegner mehr oder weniger locker aus dem Weg. Schließlich traf man im Endkampf auf den Serienmeister aus Goldbach, der sich dann allerdings als zu stark erwies. „Auch Vize ist Spitze“ stand auf einem Banner zu lesen, den die Wiesentaler Fangemeinde nach Ende des Rück - kampfes entrollte.
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Wer meinte, dass vier Titelträger aus ein und demselben Verein bei den „Deutschen“ der Senioren vom Vorjahr wohl einmalig waren, wurde 1988 eines Besseren belehrt.
Gleich fünf Mal hoben die Kampfrichter der nationalen Titelkämpfe die Arme von Wiesentaler Ringern zum Zeichen der Meisterehre. Georg Schwabenland, Bernd Scherer, Udo Ruggaber und Roger Gössner hatten ihre Titel verteidigt und mit Freddy Scherer trug sich der Fünfte im Bunde in die Annalen des DRB ein. Georg Schwabenland holte sich im gleichen Jahr den Titel des Militärweltmeisters und Roger Gössner hatte die große Ehre unser Land bei den Olympischen Sommerspielen in Seoul zu vertreten.
Leider zeichnete sich zu diesem Zeitpunkt schon ab, dass bei den ganzen Erfolgen der Lizenzringer die Jugendarbeit immer mehr in den Hintergrund rückte. Zwar wurden Timo Roth und Jens Federolf noch deutsche Vizemeister und Erwin Ehmann Dritter bei den Jugend- und Juniorenmeisterschaften, aber die Vernachlässigung des Nachwuchses sollte der Verein noch bitter zu spüren bekommen.

1989 verpasste die Bundesligastaffel nach der Südmeisterschaft den Endkampf nur knapp.
 
Georg Schwabenland und Bernd Scherer verteidigten ihre DM-Titel erfolgreich, Roger Gössner musste sich mit dem zweiten Platz zufrieden geben. Jens Federolf wurde Dritter bei der DM der A-Jugend und Oliver Kühn machte mit einem zweiten Platz bei der C-Jugend auf sich aufmerksam.
Georg Schwabenland war es, der 1989 auch in die Phalanx der Weltklasseathleten aufstieg. In Ankara, der „Welthauptstadt“ des Ringsports, holte er sich bei den Europameisterschaften den zweiten Platz und ließ die deutsche Sportwelt aufhorchen.

Schwabenland1990 dominierte der KSV erneut die Bundesliga Staffel Süd und wurde Meister, ohne in der darauf folgenden Endrunde etwas reißen zu können. Im gleichen Jahr stieß auch der leider viel zu früh verstorbene Leo Sawadsky zur KSV-Staffel und stellte sein Können mit einem zweiten Platz bei der DM gleich unter Beweis. Die Cousins Georg Schwabenland und Udo Ruggaber fügten ihrer Sammlung zwei weitere deutsche Meistertitel hinzu. Nach dem Gewinn der Militärweltmeisterschaft konnte Georg Schwabenland erneut international glänzen und wurde zum zweiten Mal in seiner sportlichen Karriere Vizeeuropameister.
 
Im darauf folgenden Jahr 1991 toppte Wiesentals Aushängeschild diese Leistung und wurde, unter dem Jubel zahlreicher mitgereister Fans in Stuttgart Europameister im Freistilleichtgewicht. Bei der gleichen Veranstaltung holte der inzwischen nach Wiesental gewechselte Andreas Steinbach eine Silbermedaille. Schönes Beiwerk für Georg Schwabenland war 1991 noch der erneute Gewinn der Militärweltmeisterschaft.
 
Die Ligastaffel schmückte sich wiederum mit dem Südmeistertitel, war aber in der Endrunde erfolglos. 1992 stand ganz im Zeichen der Olympischen Spiele in Barcelona. Mit Georg Schwabenland und Andreas Steinbach stellte der KSV Wiesental gleich zwei Teilnehmer. Trotz sehr guter Leistungen beider, gelang es leider keinem eine Medaille mit nach Hause zu nehmen. Trotzdem bleiben diese Spiele nicht nur bei den Aktiven, sondern auch bei den mitgereisten Anhängern unauslöschlich im Gedächtnis haften. Im „Alltagsbetrieb“ durfte der obligatorische Süd - meiste rtitel gefeiert werden, was die erneute, aber auch erfolglose Teilnahme an der Endrunde bedeutete.
 
Zu nationalen Meisterehren kamen Neuzugang Frank Heinzelbecker und Georg Schwabenland, der sich dann für die entgangene Medaille bei Olympia mit dem erneuten Gewinn der Europameisterschaft mehr als nur entschädigte. Auch Andreas Steinbach rang sich im polnischen Poznan den Olympiafrust von der Seele und holte dort die Bronzemedaille.

 
Im Jahr 1993 reagierten die Waghäuseler Stadtväter auf die Raumnot des Bundesligisten. Der Wagbachhalle wurde eine Trainingshalle hinzugefügt, die noch heute optimale Bedingungen für den Trainings - betrieb bietet. 
Leider zeichnete sich aber fast zeitgleich der Niedergang für die Bundesligaaktivitäten des Vereins ab. Georg Schwabenland holte sich in diesem Jahr letztmals im Wiesentaler Trikot den deutschen Meistertitel und die Mannschaft scheiterte erneut in der Endrunde.
 
1994 wagten die Vereinsverantwortlichen einen finanziellen Kraftakt, der letztlich das Bundesligaaus einläutete. Im Juni wurde der „Großen Preis der BRD“ im freien Stil in der Wagbachhalle ausgerungen. Gäste aus aller Welt trafen sich zu diesem sportlichen Highlight, das allerdings unerwartet ein gewaltiges Loch in die Vereinskasse riss. Über die Gründe und Hintergründe wird heute noch heftig diskutiert. Da man sich durch die Verpflichtung von Hans Gsöttner, einem international erfolgreichen Mittelgewichtler eine Finalteilnahme versprach, lehnte man sich nochmals finanziell weit aus dem Fenster. Der erhoffte Endkampf, der sicher eine Menge Geld eingebracht hätte, wurde allerdings nicht erreicht.
 
Stattdessen erfolgte im Jahr 1995 im sportlichen Bereich eine Zäsur, die eng mit der finanziellen Lage in Verbindung stand. Der Verein, inzwischen nicht unerheblich verschuldet, war nicht weiter bereit, den teils horrenden Forderungen seiner Spitzenathleten nachzukommen. Die Folge war der freiwillige Rückzug aus der 1. Bundesliga, verbunden mit einer Rückstufung in die Oberliga. Trainer Erich Klaus gab sein Amt auf und Werner Schauder übernahm die sportliche Leitung. Mit einer recht jungen, überwiegend aus der eigenen Jugend rekrutierten Staffel gelang es, die Aufstiegsrunde in die neu geschaffene Regionalliga Südwest zu erreichen. Gegner waren dabei der ASV Tuttlingen und der KSV Kandern, die den Wiesentalern schließlich den Vortritt lassen mussten.
In den folgenden beiden Jahren etablierte man sich in der neuen Liga , wobei man im Jubiläumsjahr 1997 knapp den Aufstieg in die 2. Bundesliga verpasste.
johnDer 90. Geburtstag des Vereins wurde mit einem Ehrungsabend im Pfarrsaal würdig begangen. 1998 kehrten Georg Schwabenland, Detlef John und Markus Keller an ihre alte Wirkungsstätte zurück und trugen erheblich dazu bei, dass der angestrebte Meistertitel am Ende der Runde dann auch souverän erreicht wurde. Verbunden war damit der Aufstieg in die 2. Bundesliga Südwest. Mit nur wenigen Neuzu - gängen sorgte man dort auch gleich für Furore und schloss als Tabellenvierter ab, was gleichzeitig die Rückkehr in das Ringeroberhaus bedeutete. Nur fünf Jahre nach dem freiwilligen Rückzug war der KSV wieder in der 1. Bundesliga angekommen. Die Gefühle der Vereinsverantwortlichen und der Anhänger waren zwiespältig. Zum einen freute man sich natürlich über den sportlichen Erfolg, zum anderen wusste man von der immer noch sehr angespannten finanziellen Situation. Nach hitzigen Debatten innerhalb der Verwaltung beschloss man dann, das Wagnis der Erstklassigkeit erneut anzugehen. Freilich war es dadurch erforderlich, die Staffel personell zu verstärken um nicht als Kanonenfutter der „Großen“ zu dienen. Junge nordbadische Talente und griechische Athleten stellten schließlich das Gerüst der Mannschaft, die sich in der Saison 2000/2001 prächtig schlug und mit dem fünften Platz knapp an der Endrunde vorbeischrammte.
Einer der eifrigsten Punktesammler war Detlef John, der seine Topform dieses Jahres mit dem Gewinn des Vizeweltmeistertitels der Veteranen und einem 1. Platz bei der deutschen Meisterschaft der Veteranen krönte.

 
Der jährliche Kassensturz trübte allerdings die Freude über die sportlichen Erfolge. Trotz guter Leistungen blieben die Zuschauerzahlen hinter den Erwartungen zurück und auch die Sponsorengelder flossen nicht mehr so üppig wie in vergangenen Zeiten. Mit Bauchschmerzen ging es deshalb in die Saison 2001/2002. Schon nach wenigen Kampftagen mussten sich die Vorstandsmitglieder eingestehen, dass ein längerer Verbleib in der Bundesliga wohl das finanzielle Aus, vielleicht sogar den kompletten Ruin des Vereins zur Folge haben würde. In einer denkwürdigen Nachtsitzung wurde beschlossen, alle Verträge der ausländischen Sportler mit sofortiger Wirkung zu kündigen und mit einem Rumpfkader die Saison zu beenden. Der mit dieser Entscheidung unvermeidliche Abstieg in die 2. Bundesliga wurde dabei in Kauf genommen.

 
Obwohl man die darauf folgende Saison 2002/2003 in der zweiten Liga mit dem 9. Platz beendete und damit den Abstieg vermieden hatte, lasteten die Geldsorgen weiter schwer auf dem Verein. Schweren Herzens vollzog man nach 1995 zum zweiten Mal in der Vereinsgeschichte einen freiwilligen Rückzug aus höheren sportlichen Gefilden. In der Landesliga Nordbaden sollte ausschließlich mit der eigenen Jugend ein völliger Neuanfang gestartet werde. Einzig Detlef John blieb es vorbehalten, in diesem „Seuchenjahr“ für positive Schlagzeilen zu sorgen. Erneut wurde er deutscher Meister in der Veteranenklasse und holte sich erstmals auch den Weltmeistertitel in dieser Kategorie. Mit vier Jugendlichen Staffelmitgliedern und den verbliebenen Routiniers gelang danach ein Durchmarsch, der 2005 in der nordbadischen Oberliga mündete.
 
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Dort gab es endlich wieder die lange vermissten Lokalkämpfe gegen die Nachbarn aus Graben- Neudorf und Kirrlach. Die noch recht junge Truppe des KSV schlug sich tapfer und landete nach Rundenschluss auf dem erfreulichen sechsten Tabellenplatz. Zwischenzeitlich hatte sich Detlef John einen weiteren WM-Titel und zwei erste Plätze bei den nationalen Veteranenmeisterschaften gesichert. Im gleichen Jahr noch übergab dann der langjährige Chefcoach Werner Schauder seine Trainerstelle an Detlef John und kümmert sich seither intensiv um die Vereinsverwaltung.
 

Radu Strubert, der sich lange Jahre zusammen mit Bernd Bobrich intensiv und überaus erfolgreich der Jugendarbeit angenommen hatte, verstärkt in dieser Zeit den Trainerstab der Senioren. Das intakte Mannschaftsgefüge blieb erhalten, so dass das neue Trainerduo in der Saison 2006/2007 die Verbesserung um einen Tabellenrang verbuchen konnte. Bei den Einzelmeisterschaften sorgte erneut Detlef John mit einem WM- und DM Titel im Veteranenbereich für Furore. Auch das Nachwuchstalent Johannes Kessel zeigt mit einem dritten Platz bei der deutschen A-Jugendmeisterschaft seine Klasse.

Die Chronik wird in den nächsten Woche weitergeführt...
   
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